Start-ups in Rhein-Main – TalentZ: "Wir wollen den Systemwandel in der Arbeitswelt“

Start-ups in Rhein-Main – TalentZ: „Wir wollen den Systemwandel in der Arbeitswelt“

Innovative Ideen aus dem Rhein-Main-Gebiet: Im siebten Teil unserer Interviewreihe steht uns Fabian Annich, der Gründer des Start-ups TalentZ, Rede und Antwort.

Über die Start-up-Safari im Rhein-Main-Gebiet habe ich bereits berichtet. Bei diesem Event habe ich im Frankfurter TechQuartier Fabian kennengelernt. Mit seiner Lösung möchte er Talenten in Unternehmen die Möglichkeit geben, spannende Erfahrungen in fremden Branchen zu sammeln.

Wer seid ihr, was macht ihr und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?

Wir sind TalentZ, die erste Unternehmensplattform für Talentsharing und wir wollen den Systemwandel in der Arbeitswelt: vom „War for Talents“ zum „Talentsharing“. Anstatt viel Geld für Berater, Zeitarbeitsfirmen oder Personalvermittler auszugeben, können sich Unternehmen über uns Talente aus anderen Branchen temporär ausleihen oder ihre eigenen Talente zur Weiterbildung entsenden.

Das besondere an Talentsharing und unserem Geschäftsmodell ist, dass alle Beteiligten in gleichem Maße von der Erfahrung profitieren. Talent Sharer, also Arbeitgeber, die ihre Talente entsenden, bieten ihren wichtigsten Mitarbeitern eine innovative Form der Weiterbildung und verringern das Risiko Talente langfristig zu verlieren. Talent Hosts, Arbeitgeber, die Talente für ein Projekt ausleihen, können auf überteuerte Berater, Zeitarbeitsfirmen oder Personalvermittler verzichten und stattdessen motivierte Mitarbeiter aus anderen Unternehmen einbinden, die kein Interesse an Folgeaufträgen oder Ähnlichem haben. Aber auch Talente profitieren von der Erfahrung, indem sie soziale und persönliche Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Kreativität oder Führung effektiv entwickeln können. Talentsharing spart Geld, entwickelt und hält Talente langfristig und fördert die Innovationskraft der teilnehmenden Unternehmen.TalentZ

Der größte Stolperstein und der größte Glücksmoment?

So einen richtigen Stolperstein gab es eigentlich noch gar nicht. Wir haben natürlich viele Hochs und Tiefs erlebt, aber alles im Rahmen der typischen Anfangsturbulenzen einer Gründung.

Die zwei größten Glücksmomente für mich persönlich war zum einen die erste Rechnung, die ich im Namen von TalentZ geschrieben habe. Nicht wegen des Geldes, sondern weil es mir gezeigt hat, dass ich tatsächlich auch ohne einen Arbeitgeber Geld verdienen kann. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben, auch wenn der Betrag sehr überschaubar war ;-)

Der zweite große Glücksmoment war das Startup Weekend Mittelhessen, das wir gewonnen haben. Auch hier war es weniger der erste Platz, sondern die Menschen, die ich dort getroffen habe. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich „Solopreneur“ und seitdem ist Patrick Losert, als CTO, fester Bestandteil von TalentZ geworden.

Welchen Stellenwert hat das Thema Technologie in eurem Geschäftsmodell und wie stellt ihr hier eine optimale Performance sicher?

Unsere Dienstleistung hat im Vergleich zu vielen anderen Start-ups noch sehr viel mit dem Menschen zu tun, und da wollen wir auch weiterhin unseren Schwerpunkt setzen, aber natürlich ist Technologie die Infrastruktur, die alles verbindet. Technologie ermöglicht es uns erst, die Bedürfnisse von Unternehmen mit den Talenten von Menschen zusammenzuführen. Bisher sind wir noch mit WordPress unterwegs, aber mittelfristig werden wir uns hier mit Sicherheit etwas einfallen lassen müssen. Ziel ist es mit TalentZ einen halbautomatisierten Marktplatz aufzubauen, auf dem Mitglieder selbstständig Inserate oder Talentprofile erstellen und verwalten können.

Wie bewertet ihr das Rhein-Main-Gebiet als Gründungsstandort?

Für unser Geschäftsmodell gibt es keinen besseren Standort. Wir sind darauf angewiesen, dass wir ein möglichst vielseitiges und heterogenes Portfolio haben, um Talenten spannende Eindrücke in verschiedensten Branchen bieten zu können. Es gibt kaum eine Region, die so viele unterschiedliche Unternehmen auf so engem Raum vereint, wie das Rhein-Main-Gebiet.

Ein weiteres Plus ist natürlich die ideale Anbindung an den Rest von Deutschland und das Tor zur Welt mit dem Flughafen vor der Tür. Frankfurt bietet einem alle Vorzüge einer Weltstadt und bleibt trotzdem überschaubar. Das gilt auch für die Start-up-Szene. Vieles entwickelt sich, es herrscht Aufbruchsstimmung, aber trotzdem kennt man sich untereinander und hilft sich aus.

Einzelkämpfer oder Teamplayer: Kooperiert ihr mit etablierten Playern oder anderen Start-ups?

Kooperation und Collaboration sind Teil unserer Philosophie. Wir glauben daran, dass nur im Zusammenspiel mit anderen Playern wirklich gute Ideen und Dienstleistungen entstehen können. Wir sind zwar mit niemandem in einer vertraglichen Kooperation, aber natürlich unterstützt man sich trotzdem gegenseitig. Oft arbeiten wir zum Beispiel mit Verbänden zusammen und liefern Vorträge, Workshops o.ä. und bekommen dafür die Bühne und ein wenig Marketing. Wir haben auch schon oft Empfehlungen von anderen Gründern erhalten, die uns ihre Kontakte weitergeleitet haben. Es ist immer ein Geben und Nehmen, deswegen auch unser Motto: „Teilen ist das neue Haben“.

Bildquelle: TalentZ

Hand aufs Herz – würdet ihr nochmal gründen?

Kurz und knapp: Ja! Für mich bedeutet gründen sich selbst zu verwirklichen und so zu arbeiten, wie ich es am besten kann und will. Natürlich flucht man an vielen Stellen und ich hatte ganze Wochen, an denen ich nicht aus dem Bett gekommen bin, weil ich einfach frustriert und deprimiert war, aber ich weiß, es wird besser mit der Zeit und ich werde im Endeffekt tausendmal glücklicher damit, als ich es als Angestellter jemals hätte sein können. Ich glaube, ich spreche hier in den Grundzügen auch für Patrick.

Zum Schluss ein Klassiker aus jedem Bewerbungsgespräch: Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

In fünf Jahren vermitteln wir monatlich 10 bis 15 Talente, haben 20 Mitarbeiter und ein schönes Büro im Herzen von Frankfurt.

Über die Interviewreihe „Start-up-Lupe Rhein-Main“

Als Gründerregion wird das Rhein-Main-Gebiet immer attraktiver. Als europäische Finanzmetropole ist Frankfurt besonders für FinTechs interessant, aber auch andere Innovationen und Standorte bieten spannende Potenziale. So fördern z.B. auch Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Aschaffenburg, Mannheim, Heidelberg, Fulda und Gießen aktiv die Gründerkultur. Wer sind die neuen Player und mit welchen Ideen gehen sie an den Start? In unserer Interviewreihe „Start-up-Lupe Rhein-Main“ stellen wir Start-ups und ihre innovativen Ideen vor.

Bildquelle: Shutterstock

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