Start-ups in Rhein-Main – Evalea: „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis“

Start-ups in Rhein-Main – Evalea: „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis“

Innovative Ideen aus dem Rhein-Main-Gebiet: Im sechsten Teil unserer Interviewreihe steht uns Timo Riedle, Co-Founder des Start-ups Evalea mit Sitz in Frankfurt, Rede und Antwort.

Vor Kurzem fand im Rhein-Main-Gebiet die zweite Start-up-Safari statt, bei der das Gründer-Ökosystem seine Pforten öffnet. Bei der Auftaktveranstaltung im letzten Jahr lernte ich Timo kennen, der mir seine Software für die Evaluation von Weiterbildungen vorstellte. Zeit, für ein ausführliches Interview.

Wer seid ihr, was macht ihr und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?

Wir sind die Evalea GmbH, in Zahlen gesprochen ein Team von summa summarum zehn Mitarbeitern plus Bürohund. Founder sind David Maurer und Timo Riedle, die das Start-up 2014 gegründet haben. Zwei „klassische“ BWLer, allerdings mit einer Besonderheit: dem starken Hang zum Personalbereich (HR) und wissenschaftlichen Komponenten. Was zu Studienzeiten seinen Ursprung hat, zieht sich bis heute in unserem Unternehmen fort. So sehen wir uns als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis, wenn es um die Evaluation von Weiterbildungsmaßnahmen geht. Denn genau damit beschäftigen wir uns – den Nutzen und die Qualität von Weiterbildung in Unternehmen aufzuzeigen. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, heißt das konkret: Mit unserem Software-as-a-Service-Tool (SaaS) können Unternehmen ihre Weiterbildungen einfach und effizient auf ihren Praxisnutzen hin evaluieren. Das Besondere dabei ist, dass wir keine einfache Feedback-Lösung für Zufriedenheitsabfragen sind. Wir haben uns ganz klar auf die professionelle Evaluation von Weiterbildungen spezialisiert. Wir bieten den kompletten Prozess, der qualitativ alle gängigen und geforderten Normen erfüllt. Gleichzeitig können wir das Evaluationssystem bis ins Detail auf das Unternehmen und dessen Weiterbildungsziele zuschneiden. Damit messen wir den tatsächlichen Mehrwert von Schulungen.

Evalea
Bildquelle: Evalea

Der größte Stolperstein und der größte Glücksmoment?

Der größte Stolperstein war für uns sicherlich, dass man als Gründer oft ein anderes Verständnis von digitalen Themen hat, als es viele Unternehmen haben. Wir waren vor vier Jahren in gewisser Weise unserer Zeit voraus. Der HR-Tech-Boom kam erst etwas später auf und bis heute sind unsere stärksten Konkurrenten Stift, Papier und Excel-Listen. Der größte Glücksmoment ist sicher für jeden Gründer, da sind wir nicht außen vor, die schwarze Zahl am Ende eines Monats. Wertvoller sind im gesamten jedoch die vielen kleinen Glücksmomente gemeinsam im Team zu wachsen und erfolgreich zu sein. Das entspricht weniger einem Glücksmoment, sondern vielmehr einem Glücksgefühl, das sich bei uns etabliert hat.

Welchen Stellenwert hat das Thema Technologie in eurem Geschäftsmodell und wie stellt ihr hier eine optimale Performance sicher?

Als SaaS-Anbieter spielt Technologie eine große Rolle für uns. Wir haben hierbei von Beginn an auf interne Programmierer gesetzt. So können wir nicht nur jederzeit unmittelbar auf individuelle Wünsche beim Kunden reagieren, sondern auch die Weiterentwicklung des Systems und Neuentwicklungen besser koordinieren. Mittlerweile stellt die IT dabei gut 2/3 in unserem Team. In Sachen Serversicherheit und Datenschutz setzen wir ganz klar auf „Hosted in Germany“.

Wie bewertet ihr das Rhein-Main-Gebiet als Gründungsstandort?

Das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt als Zentrum ist, gerade was die Unternehmensdichte und Vielfalt betrifft, sicher lohnenswert. Das und die einzige Skyline Deutschlands war auch der Grund, damals von Bayreuth als Ausgründung in die Mainmetropole zu ziehen. Natürlich spielt dabei auch die zentrale Lage eine entscheidende Rolle, da wir viele Projekte und Rollouts in der gesamten DACH-Region betreuen. Für FinTechs ist es sicher in erster Linie aufgrund der Banken vor der Haustür ein attraktiver und sinnvoller Standort. Dabei sollte jedoch nicht die Nähe zu Darmstadt mit seiner Technischen Universität sowie Wiesbaden & Mainz mit einer regen Start-up Szene vergessen werden, was die Region auch für andere Branchen sehr interessant macht.

Einzelkämpfer oder Teamplayer: Kooperiert ihr mit etablierten Playern oder anderen Start-ups?

Wir sind allgemein stets im Austausch und sehr offen. Speziell was Veranstaltungsreihen und Netzwerke betrifft, sind wir stark involviert und halten auch ansonsten einen engen Kontakt zur Start-up-Szene in Frankfurt sowie standortübergreifend. Oft lassen sich mit vereinten Kräften starke Synergien freisetzen, von denen alle profitieren. Sei es mit Gastvorträgen bei Meetups und Events oder nur dem gegenseitigen Challengen in persönlichen Gesprächen. Zeitgleich haben wir unsere Wurzeln nie vergessen und pflegen einen engen Kontakt zur Wissenschaft und damit „etablierten Playern“. Das waren in der Vergangenheit zum einen regelmäßige Studien, beispielsweise mit der Universität Bayreuth oder Humboldt-Universität zu Berlin, aber auch ganz aktuell ein Forschungsprojekt von David im Zuge seiner Promotion an der TU Kaiserslautern zum Thema Weiterbildungserfolg. Wir setzen hierbei also auch auf eine ausgewogene Mischung.

Timo Riedle
Timo Riedle; Bildquelle: Evalea

Hand aufs Herz – würdet ihr nochmal gründen?

Klar.

Zum Schluss ein Klassiker aus jedem Bewerbungsgespräch: Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Kurzum, breiter aufgestellt. Mit der Marktdurchdringung innerhalb unserer Nische haben wir uns eine komfortable Ausgangssituation geschaffen, um gesund aus dem Cashflow heraus zu wachsen. Darauf wollen wir uns aber nicht ausruhen. Zum einen werden die großen Systeme nicht auf ewig unflexibel bleiben und zum anderen sehen wir noch viel Potenzial innerhalb des gesamten HR-Kosmos, aufbauend auf Weiterbildung und der Learning Journey von Mitarbeitern. Wir wollen uns in den nächsten Jahren hin zu einem holistischen Ansatz entwickeln. Hier sehen wir unsere klare strategische Aufgabe als HR-Partner und Zukunftsbereiter im Unternehmen.

Über die Interviewreihe „Start-up-Lupe Rhein-Main“

Als Gründerregion wird das Rhein-Main-Gebiet immer attraktiver. Als europäische Finanzmetropole ist Frankfurt besonders für FinTechs interessant, aber auch andere Innovationen und Standorte bieten spannende Potenziale. So fördern z.B. auch Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Aschaffenburg, Mannheim, Heidelberg, Fulda und Gießen aktiv die Gründerkultur. Wer sind die neuen Player und mit welchen Ideen gehen sie an den Start? In unserer Interviewreihe „Start-up-Lupe Rhein-Main“ stellen wir Start-ups und ihre innovativen Ideen vor.

Bildquelle: Shutterstock

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