Open Government in Deutschland: Verwaltung 4.0 denkbar?

Als hätte die öffentliche Verwaltung nicht schon genügend Baustellen mit der Realisierung der aktuellen Verordnungen und Gesetze, welche der Bund bzw. die EU in den letzten Jahren erlassen hat, kündigt sich nun die Open Government (OG) „Bewegung“ aus dem angloamerikanischen Raum an. OG möchte dabei nichts weniger als die komplette DNA der Verwaltung verändern. Kann das gut gehen?

Was ist eigentlich Open Government (OG)?

OG steht für die vollumfängliche Öffnung der Verwaltung gegenüber ihren Bürgern, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft und umfasst dabei die Kernelemente „Transparenz“ und „Beteiligung“. Die Bewegung manifestiert sich in den folgenden Konzepten:

Kernelemente des Open Government

  • Open Data – Die Bereitstellung von Daten in maschinenlesbarer Form durch die öffentliche Verwaltung.
  • Kollaboration – Im Sinne einer interaktiven Wertschöpfung zwischen Verwaltung, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.
  • eGovernment – Als Abwicklung von Verwaltungsprozessen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien.
  • ePartizipation – Zur Beteiligung von Bürgern an politischen Entscheidungsprozessen mit Hilfe internetgestützter Verfahren.

Finden die genannten Merkmale ihre konsequente Anwendung, kommt dies einem Paradigmenwechsel in der öffentlichen Verwaltung gleich.

Die Evolution der öffentlichen Verwaltung: 1.0 bis 4.0

Um die Ausgangsfrage, ob OG und die Verwaltung in Deutschland kompatibel sein können, zu beantworten, lohnt ein (stark verkürzter und vereinfachter) Blick in die Geschichte: Die Anfänge der öffentlichen Verwaltung in Deutschland können unter Karl IV. gesehen werden. Damals war die Verwaltung (1.0) gewissermaßen der Erfüllungsgehilfe eines absoluten Monarchen und sämtliche Ebenen strikt auf ihn ausgelegt. Das Bild der öffentlichen Verwaltung (2.0) – das vielen immer noch vorschwebt – kann durch das Bürokratiemodell nach Max Weber aus den 1920er Jahren mit folgenden Merkmalen beschrieben werden: Trennung von Amt und Person, Regelgebundenheit, Neutralität des Verwaltungshandelns, Schriftlichkeit, Arbeitsteilung und Hierarchieprinzip.

Ein internationaler Reformimpuls wiederum erfolgte durch die Ansätze des New Public Managements (Verwaltung 3.0), welches in Deutschland ab den 1970er Jahren unter dem Label des „Neuen Steuerungsmodells“ diskutiert wurde. Im Kern geht es dabei um die Übernahme von privatwirtschaftlichen Managementmethoden durch die Verwaltung. Dies sollte sich auch in einer veränderten Mitarbeiterführung niederschlagen, indem durch die Delegation von Kompetenzen die Eigeninitiative, Kreativität und Motivation der Mitarbeiter gefördert werden sollte. Damit sich diese Eigeninitiative auch wirklich entfalten kann, sollten monolithische Strukturen aufgebrochen und in kleinere Einheiten mit präzisem Auftrag überführt werden. OG kann in Ansehung der obigen Definition als Verwaltung 4.0 verstanden werden. Dabei soll nichts weniger als das Denken der Verwaltung von außen nach innen erreicht werden.

Open Government als Zielbild für die öffentliche Verwaltung in Deutschland?

Wenn man sich vor Augen führt, auf welcher Tradition die Verwaltung hierzulande fußt, wird die Transformation zum Ideal 4.0 vermutlich sehr schwierig. Zum einen ist das von Max Weber beschriebene Hierarchieprinzip immer noch tief in der Verwaltungs-DNA verwurzelt und zum anderen wurden die Ideen des New Public Managements, anders als in anderen Ländern, nie konsequent und flächendeckend umgesetzt. Die Chancen, die sich aus der angestrebten Eröffnung von Eigenverantwortung ergeben hätten, blieben somit oftmals ungenutzt.

Andererseits gilt es zu konstatieren, dass die öffentliche Verwaltung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gezwungen sein wird, vermehrt junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Sollte dies gelingen, würden diese Ressourcen dazu beitragen, die Öffnung des Apparates voranzutreiben. Schließlich ist im globalen Wettbewerb die Qualität des Verwaltungshandelns ein immer wichtigerer Wettbewerbsfaktor. Kein Staat der Erde wird sich nämlich eine Administration als sogenannte Black Box leisten können, bei der es völlig unklar ist, wie Entscheidungen getroffen werden.

Notwendigkeit einer Öffnung durch Veränderungsdruck von außen?

Auch wenn die Verwaltung in Deutschland OG nicht direkt automatisch und „schmerzfrei“ in die eigene DNA übernehmen kann, werden der Veränderungsdruck von außen letztlich wohl den Übergang zu einer echten Verwaltung 4.0 ermöglichen. Zu hoffen bleibt, dass die Entscheidungsträger von sich aus die Notwendigkeit einer Öffnung erkennen, um in einer globalisierten Wirtschaft diejenigen Rahmenbedingungen zu bieten, die Unternehmen heute von der Verwaltung erwarten.

 

Foto: Shutterstock

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