Sport goes digital – Coaching mit Timo Boll Webcoach

Die Digitalisierung schreitet in allen Branchen voran und macht auch vor dem Sport nicht halt. Chancen ergeben sich dabei in allen Bereichen. Timo Boll, Weltklasse Tischtennisspieler, nutzt dies auch im Tischtennis und hat Timo Boll Webcoach (TBW) gegründet. Im Interview gibt er Einblicke über die Gründung, zieht eine Bilanz nach dem ersten Jahr TBW und spricht über weitere Ziele.

Auch im Sport hält der technische Fortschritt Einzug. Im Fußball werden alle Bewegungen der Profis aufgenommen und analysiert. Egal ob individuelle Daten wie Sprints, Pässe, Schüsse oder Angriffstaktiken – alles steht unter Beobachtung. Auch anderen Sportarten eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten der Präsentation und Vermarktung. Für das Tischtennis will Ausnahmespieler Timo Boll die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Er gibt mit seinem Team allen Tischtennis-Fans, Anfängern und Profis sowie Trainern online die Möglichkeit, ihr Spiel und Verständnis zu verbessern. Wie das Projekt entstanden ist, wie das Fazit nach einem Jahr ausfällt, auf was man sich in Zukunft noch freuen kann und über vieles mehr hat sich Timo mit uns unterhalten.

Timo, wie entstand die Idee zu Timo Boll Webcoach?

Die Idee zu einem Webcoach-Portal hatte ich schon sehr lange. Ich dachte mir, es muss doch eine Möglichkeit geben, mein gesammeltes Wissen über die ganzen Jahre an andere Spieler und besonders auch an junge Tischtennisspieler weiter zu geben. Es war also ein wachsender Prozess. Mit meinem Kumpel Andreas Ball haben wir dann überlegt, wie wir das ganze umsetzen können und hatten Kontakt zu einer Berliner Firma. Hier gab es dann aber leider etwas Stillstand. Über mein Management entstand der Kontakt zu PASS.

Welche Herausforderungen waren zu bewältigen?

Es gab und gibt immer wieder Herausforderungen. Für mich war es natürlich schwierig, neben meiner sportlichen Karriere hier parallel ein neues Business auf die Beine zu stellen. Da fehlt schlicht und ergreifend manchmal die Zeit. Auch der Dreh der Videos war eine spannende Sache und für uns in dieser Form etwas neues. Bei der Umsetzung war außerdem das Streamen der Videos eine Herausforderung.

Wie groß ist der Aufwand für dich?

Den Support des Portals übernimmt PASS. Also Anfragen von Usern, das Einstellen der Videos usw. Ansonsten bin ich, wie eben schon erwähnt, als Sportler viel unterwegs. Gerade zum Start war der Aufwand sehr hoch. Videos drehen, Blogbeiträge abdrehen und diese selbst schneiden. Das nimmt Zeit in Anspruch, aber es macht auch sehr viel Spaß und bei positivem Feedback der User nimmt man diesen Aufwand dann gerne in Kauf.

Was wird bei TBW geboten und welche Vorteile hat die Nutzung des Webcoachs?

Bei Timo Boll Webcoach werden verschiedene Trainingsvideos angeboten. Diese sind in unterschiedliche Pakete eingeteilt. Du kannst dir also Vorhand-, Rückhand-, Rückschlag- oder Aufschlagvideos kaufen. Vom Anfängerpaket bis hin zum Profi ist alles dabei. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Videoanalyse oder eine Live Skype Session zu buchen. Hier können die User neben mir auch meinen Kumpel und Geschäftspartner Andreas Ball – früherer Bundesligaspieler – und Zhu Xiayong – ehemaliger Co-Trainer der Jugendnationalmannschaft – als Trainer auswählen. Ein weiteres Highlight sind die Blogvideos. Im Blog gebe ich immer wieder Tipps zu verschiedenen Schlägen oder gebe durch Interviews mit absoluten Tischtennisgrößen wie u.a. Dima Ovtcharov, Jan Ove Waldner und Vladimir Samsonov Einblicke hinter die Kulissen. Diesen Vorteil gibt es wahrscheinlich nur in ganz wenigen Portalen.

Ausschnitt aus einem Trainingsvideo des Coachingportals TBW

Wieviele Personen arbeiten an TBW?

Neben uns drei Trainern (Timo Boll, Andreas Ball, Zhu Xiayong) haben wir ein Team, das uns beim Dreh der Trainingsvideos begleitet. Außerdem unterstützen uns weitere Mitarbeiter bei der Umsetzung des Portals. Da kommen schon ein paar Leute zusammen.

Was ist in naher Zukunft geplant?

Wir möchten bei TBW das Angebot natürlich nach und nach erweitern. In 2019 kommen neue Videopakete. Außerdem fragen sehr viele User nach englischen Trainingsvideos. Bisher sind die Videos nur in deutscher Sprache verfügbar. Hier sind wir dabei, die Videos zu übersetzen, um sie auch international zur Verfügung zu stellen.

Und welche mittelfristigen Ziele habt ihr mit TBW?

Wir haben natürlich das Ziel, den Webcoach auch auf den asiatischen Markt zu bringen. TBW in China wäre eine tolle Sache.

Wie sieht dein Fazit nach einem Jahr TBW aus?

Mein Fazit ist durchweg positiv. Für das erste Jahr TBW nur im deutschsprachigen Raum sind wir durchaus zufrieden. Positive Feedbacks von Usern freuen uns natürlich auch und bestärken uns darin, das Projekt weiter voran zu treiben. Aber auch Kritik und Verbesserungsvorschläge haben wir gerne bekommen und diese auch angenommen. Die gesammelten Erkenntnisse in diesem Jahr versuchen wir natürlich mitzunehmen und auch für beispielsweise weitere Videopakete umzusetzen.

Ist ein solches Portal auch auf andere Sportarten übertragbar? Wie ist hier deine Einschätzung?

Ich denke, dass ein Portal wie der TBW auch auf andere Sportarten übertragbar ist. Für die Rückschlagsportarten wie Tennis oder Badminton wären die Anforderungen ja ähnlich. Aber auch auf Mannschaftssportarten ist so ein Projekt übertragbar. Es gibt doch in fast allen Sportarten sehr viel zu zeigen und zu verbessern.

Wie lange möchtest du noch aktiv Tischtennis spielen und arbeitest du danach „hauptberuflich“ an TBW?

Im Moment fühle ich mich sehr fit und es macht noch riesigen Spaß, an der Platte zu stehen. Also kann ich mir durchaus vorstellen, dies noch einige Zeit zu tun.

Wie es mit TBW weiter geht und ob ich dann nur an dem Portal arbeite, muss man abwarten. Als Leistungssportler habe ich natürlich das Ziel, auch bei diesem Projekt das absolute Maximum raus zu holen und für die Fans und User ein Top Produkt bereit zu stellen. Ich denke, nach dem erfolgreichen ersten Jahr wollen wir das Portal und das Angebot weiter ausbauen und verbessern. Aber im Moment liegt der Fokus natürlich noch auf dem Sport.

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