Bausteine für erfolgreiche nachhaltige Smart City Logistics

Die Problematik gehört längst zum Alltag: In Folge der Urbanisierung kommt es vermehrt zu Staus, größerem Verkehrslärm und einem Mangel an Parkplätzen. Das hohe Aufkommen des Lieferverkehrs trägt auch in den Innenstädten auf der berühmten letzten Meile zu Verkehrsverstopfungen bei.  

Der Güterverkehr ist nicht nur der größte Verursacher von Verkehrsproblemen, er wird auch von zukünftigen Umweltauflagen selbst stark betroffen sein. Die Modernisierung nach dem „Smart and Sustainable“-Prinzip ist notwendig, um das Problem zu bewältigen. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, die interdisziplinäre Netzwerkstrukturen rekonstruieren und optimieren.

Was beschreibt eine nachhaltige Logistik?

Sustainable und Green Logistics beschreibt eine Praxis der Logistik, die sich darauf konzentriert, die selbstständig verursachten Umweltauswirkungen zu reduzieren und auf einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck schrumpfen zu lassen. Unternehmen, deren Logistik nachhaltig werden soll, messen im Rahmen einer Maßnahmenermittlung die eigenen Umweltauswirkungen und finden so Handlungskonzepte.

Dabei wird zunächst auf die Verschmutzungen der Luft, des Wassers, des Bodens und auch des Lärms geachtet, die mit Verkehrsaufkommen in Verbindung stehen. Das mag auf den ersten Blick nach teuren Investitionen in die Infrastruktur aussehen, ist aber dennoch nicht zwingend erforderlich. Nichtsdestotrotz spielt auch die Nachhaltigkeit hinsichtlich des Verpackungsmaterials eine entscheidende Rolle: Vor zwei Jahren lag der Verbrauch bei Verpackungsmüll bei 18,7 Millionen Tonnen, was umgerechnet 226,5 kg pro Person entspricht – durch Corona sind auch diese Zahlen weiter angestiegen. Private Verbraucher machen dabei übrigens einen nicht unerheblichen Anteil von 47 Prozent aus.

Grüne Logistik setzt für jedes Unternehmen eine mit Kosten verbundene Umstrukturierung voraus, die auf den ersten Blick abschreckend wirken kann. Dennoch lohnt es sich, „grün“ umzudenken. Nachhaltigkeit gehört mittlerweile bei Geschäfts- wie Endkunden zu den Alleinstellungsmerkmalen. Unternehmen können so die eigene Marke aufwerten und sogar zu Pionieren auf ihrem Gebiet werden. Das schafft einen klaren Wettbewerbsvorteil und verhilft nicht zuletzt zu einer besseren PR.

Eine kluge grüne Logistik zielt zudem darauf ab, langfristig Kosten im Unternehmen zu sparen. Dies geschieht zum Beispiel durch eine energieeffizientere grüne Planung der Arbeitsstätten, und auch die Firmenmitarbeiter selbst können davon profitieren: Je nachhaltiger das Unternehmen ist, desto zufriedener sind dessen Mitarbeiter im Durchschnitt. Das wirkt sich auf lange Sicht auch auf die Personalkosten aus. Zudem werden durch die Digitalisierung stets neue Ideen und Prozesse aufgeboten, die ein individuelles, auf jedes Unternehmen angepasstes und nachhaltiges Konzept kreieren.

For a better digital world – Der Podcast von PASS

In unserem Podcast hat Michael Bils, Business Development Manager bei der PASS Logistics Solutions AG, mit Markus Schwarz, Gründer und CEO von FAIRSENDEN gesprochen. Die Themen: Online-Shopping-Angebote und zu Beginn der Pandemie auch Hamsterkäufe beeinflussten die weltenweiten Lieferketten. Warenströme änderten sich von einem Tag auf den anderen. Wie geht die Logistik mit den aktuellen Anforderungen um? Und welchen Einfluss hat hier inzwischen das Thema Digitalisierung?

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Wieso Unternehmen dennoch zögern

Dennoch gibt es Herausforderungen, die mit einer nachhaltigen Logistik einhergehen. Global gedacht nimmt Logistik selbst einen Anteil von 10 Prozent am gesamten Gross Domestic Product ein. Grüne Änderungen betreffen dabei aber nicht nur die Firmen selbst, sondern auch Lieferketten, die es zu schützen gilt. Veränderungen brauchen zumindest auf der internationalen Ebene viel Zeit. Generell ist natürlich ebenfalls nicht jedes grüne Konzept sofort rentabel – eine Abwägung eines solchen wird nicht zuletzt durch die Finanzen bestimmt, und grüne Logistik fällt dabei oft noch in die Kategorie „Nice to have“, gehört aber nicht zu dem „Must haves“.

Das komplexe und internationale Logistiknetz birgt noch ein weiteres Risiko: So global Lieferketten auch sind, durchlaufen sie dennoch regionale Rechtsräume. Emissionsgrenzwerte und andere Umweltauflagen sind nicht einheitlich. Gerade das wäre aber für den Einbezug aller Akteure von großem Vorteil. Der Markt fordert grüne Logistik zwar von den Anbietern, aber fördert sie nicht zwingend durch eine entsprechende politische Gesetzgebung. Auch Endkunden wünschen sich eine nachhaltigere Logistik, dennoch werden innovative Konzepte auf dieser Ebene erst nach einiger Zeit wahrgenommen. Dabei spielte lange Zeit auch ein allgemeines Problem eine Rolle: Kunden wünschen sich zwar eine schnelle Lieferung, verbinden diese aber mit dem Händler und nicht mit dem Logistikdienstleister. Auf der Händlerrechnung taucht die Logistikleistung nicht auf.

Die Wahrnehmung der Kunden hat sich in den letzten Jahren zunehmend geändert, wenn es sich dabei allerdings zum Teil auch um Negativschlagzeilen dreht, mit denen Logistikunternehmen aufgrund ihrer Behandlung von Mitarbeitern und der Umwelt konfrontiert werden. Ein nachhaltiges Konzept kann da Abhilfe schaffen. Doch wie genau kann ein solches Konzept aussehen?

Dieser Beitrag ist der dritte Teil unserer Reihe zur erfolgreichen und nachhaltigen Logistik in 2021 in Kooperation mit unserem Partner Fairsenden.

Die einzelnen Bausteine der nachhaltigen Logistik

Zunächst einmal muss zwischen lang- und kurzfristigen Konzepten unterschieden werden. Langfristige interne Strategien im Unternehmen beinhalten zum Beispiel die Nutzung oder in sehr seltenen Fällen gar Entwicklung alternativer Antriebe, die vor allem einem effizienteren Flottenmanagement zugutekommen. Eine optimierte Routenplanung, Fahrzeugstandards nach einer Umweltnorm, so zum Beispiel Cargobikes, sowie damit einhergehende niedrigere Emissionszahlen haben dabei die oberste Priorität. Diese wirken sich auch positiv auf den Verkehr aus und verhindern so zukünftig Stau.

Retourprozesse gehören ebenfalls zu den Bausteinen der Nachhaltigkeit. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:

  • Wie können Schäden vermieden werden?
  • Welche Mängel gibt es an der Qualitätskontrolle?
  • Wie gehen wir am besten mit verderblicher Ware um?

Auch die Produktgestaltung ist entscheidend, denn nachhaltigere und sicherere Verpackungen können den ökologischen Fußabdruck rasant verkleinern.

Auch das Logistikzentrum selbst bietet natürlich ein großes Potenzial, nachhaltiger gestaltet werden zu können. Dabei ist vor allem darauf zu achten, ob das Gebäude den Umweltschutzmaßnahmen gerecht wird, ob die Baumaterialien nachhaltig sind und Energieeinsparnisse versprechen und ob die Abfallprozesse dahingehend optimiert werden.

Zu guter Letzt sind natürlich auch die externen Strategien notwendig: Logistiksysteme sollten vereinheitlicht, Firmenstandorte klug gewählt und dabei auch auf die Unterstützung von Mikro-Hubs zurückgegriffen werden, die vor allem in den vollen Großstädten ihren passenden Platz einnehmen. Der Materialfluss wird hinsichtlich des Recyclings und grünerer Beschaffungsprozesse optimiert. Nicht zuletzt lohnt es sich auch, eine Netzwerkanalyse vorzunehmen, um etwaige Prozesse effizienter steuern zu können. So kann es für Händler zum Beispiel von Nutzen sein, das Modell Ship-from-Store zu betreiben und so Umwege und CO₂ zu sparen.  Zum Schluss soll auch noch einmal das Konzept Slow Logistics erwähnt werden: In vielen Fällen ist es lohnenswert, Kapazitäten voll auszuschöpfen und Leerfahrten zu vermeiden. Dies entspricht allerdings nicht der Same-Day-Mentalität und stellt daher nicht für alle ein rentables Modell dar.

Sich des CO₂-Abdrucks bewusst werden

Wer kurzfristig nachhaltig handeln möchte, kann dabei vor allem auf folgende Möglichkeiten zurückgreifen: Grundsätzlich sollten Unternehmen sich zunächst ihres CO₂-Fußabdrucks genau bewusst werden, um ihn so in kleineren Schritten zu reduzieren. Änderungen im Energiemanagement, wie zum Beispiel eine bessere Wärmedämmung, oder eine qualifizierte Ausbildung von Fahrern, die auf eine Geschwindigkeitsreduzierung achten, rentieren sich schnell. Darüber hinaus könnten Umweltzertifikate ein greifbares Ziel darstellen und dem Unternehmen so bildhaft und glaubwürdig eine nachhaltigere Arbeitsweise verschreiben. In der Unternehmenskommunikation können nachhaltigere Ziele verständlich gemacht werden, die Mitarbeiter motivieren können.

Grundsätzlich gibt es für Nachhaltigkeit keine „One fits all“-Lösung; der Weg eines jeden Logistikunternehmens ist in seiner nachhaltigen Prozessentwicklung einzigartig. Es geht in diesem Fall darum, den Lohn und Nutzen einer grünen Logistik aufzuzeigen und mögliche Handlungsspielräume zu erläutern. Die derzeitige Gesundheitskrise stellt die Logistik vor großen Herausforderungen und bringt uns gleichzeitig zum Umdenken. Inwieweit unsere Logistikprozesse krisenfest sind, können wir in diesen Tagen prüfen. Und das ist sicher: Nachhaltigkeit unterstützt durch die damit einhergehende Effizienz die alltäglichen Abläufe, lang- wie kurzfristig.

In meinem nächsten Beitrag möchte ich mit Ihnen einen Blick darauf werfen, wie Ship-from-Store eine gewinnbringende Alternative für den Handel darstellen kann.

 

Bild: Fairsenden

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