Die Corona-Krise: Kann es jetzt digitale Gewinner geben?

Seit Wochen spüren deutsche Unternehmen zunehmend die Folgen des Coronavirus (COVID-19) – für die meisten sind sie negativ. Die Nachfrage sinkt, Lieferketten reißen und einige Firmen müssen wegen fehlender Aufträge bereits Kurzarbeit anmelden. Doch es gibt auch wirtschaftliche Profiteure der Krise, die ihre Produktion gerade jetzt kräftig hochfahren – so scheint es. Insbesondere der IT-Bereich rund um das Thema Cloud könnte einer der Profiteure sein. Aber ist das tatsächlich so? Oder betrifft eine Lähmung der Wirtschaft auch die Cloud-Industrie?

„Die Coronavirus-Krise und die daraus folgende Zunahme vom Arbeiten im Homeoffice sorgt jetzt für eine deutlich steigende Nachfrage nach IT-Service-Management und nach Definitionen von IT-Servicekatalogen“, titelte beispielsweise Digitalbusiness-cloud.de und auch das Magazin Der Aktionär zog kürzlich ein ähnliches Resümee: „Viele Unternehmen sind schwer von der Corona-Krise getroffen. Lieferketten sind unterbrochen, die Reisebereitschaft sinkt und Firmen erlauben immer häufiger ihren Mitarbeiten von zu Hause aus zu arbeiten. Das führt wiederrum dazu, dass Cloud-Dienste wie Microsoft Azure und Amazon Web Services (AWS) stärker nachgefragt werden.“

Aber auch den Onlinehandel hält der Coronavirus in Atem. Zwar verzeichnete die Branche zuletzt durch die zahlreichen Hamsterkäufe einen regelrechten Umsatzboom, doch langfristig scheint noch nicht absehbar, wie sich COVID-19 auf den Onlinehandel als Ganzes auswirken wird. Das Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) sieht bereits jetzt den E-Commerce als den großen Gewinner der Krise.

Doch hinter vielen der aktuellen Aussagen steht wohl mehr der Wunsch als Vater des Gedankens. Klar, viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Hier wird bewährte, längst etablierte Technologie verwendet, meist Tools aus der Bürokommunikation. Und dann sind diese lokalen Systeme noch an die zentralen Anwendungen, meist ERP-Systeme (Enterprise-Resource-Planning) angeschlossen. Fakt ist aber auch, dass die Unternehmen sich derzeit in einer Art Schockstarre befinden, trotz der sehr guten aktuell eingesetzten Technologie für das Homeoffice

So sind Entscheidungsketten unterbrochen, es können keine übergreifenden Meetings stattfinden und viele Investitionsentscheidungen sind auf „On hold“ gesetzt worden. Gleichzeitig werden Business- und Aktivitätenpläne überarbeitet. Es kann sein, dass nach der Krise andere Bedarfe vom jeweiligen Markt erforderlich sind. Die Fehlerwahrscheinlichkeit in jeder Entscheidungsfindung ist derzeit sehr hoch, da die entsprechenden Key Performance Indicator (KPI) fehlen. Zudem ist das Datennetz in Deutschland überlastet. Große Streaming-Anbieter werden gezwungen, ihre Bandbreiten zu senken. Nicht auszuschließen ist, dass sich so auch das Userverhalten der Endkunden ändern wird.

Mein Fazit: Niemand weiß im Moment genau, wie es wirklich weitergeht. Viele Parameter sind nicht steuerbar. Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Politik, Großunternehmen, Mittelstand und Privatpersonen scheinen im Dunkeln zu agieren. Jede allzu schnelle Prognose von selbsternannten Fachleuten oder Influencern muss deshalb hinken. Letztlich werden wir die Wahrheit erst erfahren, wenn die Corona-Krise einigermaßen überwunden ist.

Es ist den Unternehmen zu empfehlen, die jetzigen Strategien zu überprüfen und zu verifizieren, ob die Chancen der Digitalisierung bereits vollständig genutzt bzw. in den bestehenden Strategien antizipiert sind. In einem anstehenden Beitrag auf diesem Blog wird einer meiner PASS Kollegen alle wichtigen Trends rund um das Thema „digitales Arbeiten“ analysieren.

Bild: Shutterstock

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