Wie die Digitalisierung Vereinen in Zeiten von Corona helfen kann

Der TV Großwallstadt (TVG) bestritt am letzten Samstag sein erstes Saisonspiel in der 2. Handball-Bundesliga – vor Publikum. Ein Bericht über den Kraftakt vor dem Kraftakt und warum auch kleinere Vereine rechtzeitig in Digitalisierung investieren sollten.

Die Corona-Pandemie hat unser Leben innerhalb weniger Wochen auf den Kopf gestellt – sowohl privat als auch beruflich. Besonders hart hat es den Sport getroffen. Mich persönlich beruflich gleich doppelt: als Teammanager beim Handball-Bundesligisten TV Großwallstadt und als Consultant in der Business Unit Sports der PASS Consulting Group.

Michael Spatz in seiner Funktion als Teammanager des TVG.

Zahlreiche Corona-Auflagen

Nach dem abrupten Saisonende im März war die Erleichterung beim TVG groß, dass es im Oktober weitergehen sollte. Unser Ziel war klar: ein Saisonstart vor Zuschauern. Doch vor diesem galt es, gleich mehrere Hürden zu nehmen:

Wir erstellten Schutz- und Hygienekonzepte, führten Gespräche mit der HBL und der Politik und passten unsere Infrastruktur und Abläufe an die neuen Gegebenheiten an.

„Der Abstimmungsbedarf ist riesig. Nicht nur im Verein selbst, sondern auch mit Städten und Kommunen, die die Sportstätten zur Verfügung stellen.“

Barbara Eschbach, Geschäftsstellenleiterin der TV Großwallstadt GmbH

Für die meisten Vereine sind Zuschauereinnahmen überlebenswichtig. Nicht umsonst fragte die Süddeutsche Zeitung bereits Ende August treffend: Wie lange dauert es noch, bis der erste Handball-Bundesligist seine Zahlungsunfähigkeit verkünden muss? Laut Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, machen Zuschauereinnahmen mancherorts 70 bis 80 Prozent des Saisonetats aus. Auch für den TVG sind sie ein wichtiger Faktor. Großer Vorteil für uns: Die Lüftungsanlage in unserer Heimspielstätte in Elsenfeld garantiert nahezu einen Luftaustausch in Reinraumqualität – und damit gute Grundvoraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Neue Anforderungen an das Ticketing

Ein zentraler Knackpunkt in unseren Planungen war demnach das Ticketing. Und an dieser Stelle wechselt meine Perspektive – vom Teammanager zum Consultant in der PASS Business Unit Sports. In dieser Funktion unterstütze ich den TVG bereits seit 2018 bei der Digitalisierung seiner Services und Verwaltungsstrukturen. Ein Baustein ist ein Event Ticketing System für den Online-Kartenverkauf. Dieses mussten wir an folgenden Anforderungen ausrichten:

  • Abstandsregeln müssen eingehalten und der Kontakt zwischen den Zuschauern vermieden werden. Grundlage ist hier §2 des BayIfSMV, der besagt, dass jeweils maximal Gruppen à 10 Personen zusammenkommen dürfen.
  • Kontaktdaten von Besuchern müssen registriert werden.

Es galt also Bestuhlungspläne anzupassen und eine Kontakterfassung zu implementieren.

„Die zugewiesenen Sitzplätze müssen unbedingt eingehalten werden, da dies entscheidend für eine etwaige Nachverfolgung ist. Aus diesem Grund gibt es neben den Dauerkarten vorerst ausschließlich personalisierte Online-Tickets“

Nina Mattes, Hygiene-Beauftragte des TVG

Sollten sich Vorgaben ändern, lassen sich diese schnell und flexibel umsetzen. So wäre es u.a. möglich eine Check-out-Funktion beim Verlassen des Veranstaltungsorts zu nutzen.

Endlich geht es wieder los

Mit unserem Gesamtkonzept erhielten wir vom Landratsamt sowie Gesundheits- und Ordnungsamt grünes Licht und am vergangenen Samstag wurde in der Untermainhalle vor 755 treuen Fans endlich wieder Bundesliga-Handball gespielt. Selbstverständlich unter strenger Einhaltung des erarbeiteten Betriebs- und Hygienekonzepts. Die Mund-Nasen-Bedeckung musste bis zum Sitzplatz getragen werden, der Ein- und Auslass waren geregelt, es gab keinen Essens- und Getränkeverkauf in der Halle und die Zuschauer durften auch nach dem Spiel das Spielfeld nicht betreten – um nur einige wenige Aspekte zu nennen.

Fans des TVG verteilt auf der Tribüne.

„Zu Beginn war es schon ein seltsames Gefühl. Es war eine lange Zeit in der wir nicht spielen konnten und man hat auch gespürt, dass die Situation anders war als sonst. Die Jungs und ich haben uns aber sehr gefreut, dass wir wieder vor Zuschauern spielen durften.“

Florian Eisenträger, Kapitän des TVG

TVG-Kapitän Florian Eisenträger beim Torwurf.

Digitalisierung gegen und wegen Corona

Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung – auch im Sport. Das gilt dabei nicht nur für den Spitzensport auf Bundesliga-Niveau, sondern auch für kleinere Vereine.

„Wir profitieren in der aktuellen Situation enorm davon, dass wir auch in Drittliga-Zeiten die Digitalisierung vorangetrieben haben. Als sportliches Aushängeschild des Bayerischen Untermains tragen wir auch Verantwortung für den Schutz der Zuschauer und nehmen unsere Vorbildfunktion sehr ernst.“

Barbara Eschbach, Geschäftsstellenleiterin der TV Großwallstadt GmbH

Themen, wie digitale Mitgliedsanträge, Einlasskontrollen in einer App und vor allem auch der Online-Ticketverkauf mit Zahlung in Echtzeit sind Herausforderungen, denen sich auch „kleinere“ Vereine heute nicht mehr entziehen können. Gerade in dieser unsicheren Pandemie-Zeit, mit schnell wechselnden Vorgaben und Anforderungen, sind digitale Prozesse der Schlüssel, um die Zukunftsfähigkeit zu sichern.

 

Bildquelle: Felix Müller

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