„University Innovation Challenge“: Ein Abend voller Innovationen

„University Innovation Challenge“: Ein Abend voller Innovationen

Nicht nur US-Universitäten beherbergen kluge und geniale Köpfe, auch in Deutschland findet sich jede Menge Gründergeist – leider oft noch im Verborgenen. Die „University Innovation Challenge“ will das ändern.

Mitte September zeichneten das Handelsblatt und die Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen der „University Innovation Challenge“ erstmals Start-ups aus der universitären Forschung aus – ein Abend voller spannender Ideen: von der Prozessdigitalisierung in Labors über smarte Thermostate bis hin zu intelligenten Kühlboxen. Dazu verwandelte sich das Casino der Goethe-Universität in einen Boxring für kluge Köpfe. Angetreten sind 13 Start-ups, die entweder aus einem universitären Hintergrund entstanden sind oder deren Idee aktuell an einer Universität erforscht wird. Anstatt Fäusten flog in dreiminütigen Pitches geballtes Know-how in sechs Themenfeldern:

  • Future Engineering
    Gewinner: Ineratec (chemische Kompaktanlagen)
    Core Sensing Technologies (Verfahren zur Fixierung von Sensorelementen)
  • Future Living
    Gewinner: Vilisto (Heizkörperthermostate mit integrierter Sensorik)
    Breeze Technologies (automatisierte Auswertung von Umweltdaten)
  • Future Life Science
    Gewinner: Inveox (Prozessdigitalisierung in Pathologie-Laboren)
    Tec4med (intelligente Kühlbox für temperatursensible Medikamente und Proben)
  • Future Finances & Commerce
    Gewinner: ChemSquare (digitale Plattform für die Life-Science-Branche)
    BC-Ticket (Ethereum-Blockchain für den Weiterverkauf von Eintrittskarten)
  • Future Data Intelligence
    Gewinner: Bernstein (Aufzeichnung von Innovationsprozessen mit der Blockchain)
    MINDS medical (Automatisierung medizinischer Fallkodierung)
    @thlyzer (Sportanalysesoftware)

Mein persönliches „Unicorn“: Inveox

Mit der elektronischen Gesundheitsakte zeigen sich Länder wie Estland als Musterschüler in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Und auch hierzulande ist mit „Vivy“ gerade eine App an den Start gegangen, die es Millionen Versicherten ermöglicht, ihre Gesundheitsdaten digital zu verwalten. Doch Fakt ist auch: Deutschland hinkt beim Thema E-Health noch weit hinterher – und das nicht nur aufgrund von Datenschutzbedenken. Dass in diesem Bereich selbst „kleine“ Innovationen Großes bewegen können, zeigte in Frankfurt das Start-up Inveox, Gewinner in der Kategorie „Future Life Science“. Hintergrund der Idee ist die emotionale Geschichte einer jungen Frau mit der Diagnose Brustkrebs, der beide Brüste entfernt wurden. Später stellte sich heraus: Fehldiagnose, die Gewebeproben waren vom Labor vertauscht worden. Inveox hat es sich vor diesem Hintergrund zur Aufgabe gemacht, Prozesse in Labors zu digitalisieren und zu automatisieren. Dazu sollen z.B. Kassetten für Gewebeproben per Laserbeschriftung dauerhaft gekennzeichnet und Probenbehälter mit intelligenten Chips versehen werden.

Blockchain und Analysesoftware

Neben Inveox sind mir noch drei weitere Start-ups besonders im Gedächtnis geblieben. Gleich zwei davon stellten unter Beweis, dass die Blockchain-Technologie mehr kann, als Kryptowährungen Leben einzuhauchen: Sowohl Bernstein als auch BC-Ticket präsentierten spannende Einsatzszenarien außerhalb der Finanzindustrie. So entwickelte Bernstein eine Notarisierungsplattform zur Sicherung von geistigem Eigentum, die es ermöglicht, Entwürfe und Erfindungen auf Basis der Blockchain-Technologie zu registrieren und die Urheberschaft durch entsprechende Zertifikate nachzuweisen. Damit räumte das Start-up auch den Preis in der Kategorie „Future Data Intelligence“ ab.

BC-Ticket nutzt die Blockchain hingegen im Kontext des Themas Ticketing und stellt einen Shop bereit, der den Weiterverkauf von Eintrittskarten sicher und einfach gestaltet: Durch den Einsatz der Ethereum Blockchain wird Veranstaltern ermöglicht festzulegen, zu welchem Preis und/oder in welchem Zeitraum ein Ticket weiterverkauft werden kann – gleichzeitig werden Kunden vor dem Kauf gefälschter oder überteuerter Tickets geschützt. Zahlung und Übergabe erfolgen dabei vollständig digital.

Anfang September zeigte mein Kollege Kevin Wittke am Beispiel der Fußball-WM 2018 auf, dass der technische Fortschritt auch im Sport unübersehbar Einzug gehalten hat – u.a. greifen Mannschaften und Verbände zunehmend auf innovative Technologien und Big-Data-Analysen zurück. Diesen Trend hat auch das Team von @thlyzer erkannt, das eine Sportanalysesoftware entwickelt hat, die Spielszenen, wie z.B. Tore oder Freistöße, „tagged“ und kategorisiert. Das ermöglicht eine Analyse und Auswertung in Echtzeit – sprich, es können sofort taktische Anpassungen erfolgen. Ein spannendes Einsatzszenario, das die Sportwelt signifikant verändern wird.

Deutschland braucht mehr Start-ups

Einig war man sich an diesem Abend darin, dass der Gründergeist in Deutschland nachhaltig gestärkt werden muss – denn wie Mathias Samson, hessischer Staatssekretär für Wirtschaft, es ausdrückte: „Wer einmal in China war, muss sagen, dass wir der Digitalisierung noch weit hinterher hängen.“ Der Wandel muss dabei nicht zuletzt an den Universitäten beginnen, deren Lehre immer noch hauptsächlich auf strikte Karrierepfade in Konzernen ausgerichtet ist. Hier muss zukünftig verstärkt Entrepreneurship in den Fokus rücken, die Option selbst zu gründen, muss als Karriereweg wahrgenommen werden. Dazu gehört u.a. ein mögliches Scheitern nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance wahrzunehmen.

Konsens bestand auch darin, dass große Konzerne, die langfristig erfolgreich am Markt agieren wollen, auf das Know-how und den Innovationsgeist von Start-ups angewiesen sind: „Die großen Tanker brauchen die kleinen Schnellboote, um nicht überholt zu werden, und umgekehrt brauchen die kleinen die großen, um international erfolgreich zu sein“, so Samson.

Das Rhein-Main-Gebiet als Gründerschmiede

Eines hat die „University Innovation Challenge“ deutlich gezeigt: Aus Start-ups entspringen innovative und zukunftsweisende Ideen – umso wichtiger ist die gezielte Förderung sowie die Schaffung von optimalen Infrastrukturen. Im Rhein-Main-Gebiet sind diese gerade am Wachsen, es wird als Gründerregion immer attraktiver, so ist in Frankfurt z.B. das Start-up-Zentrum TechQuartier beheimatet, das jungen Unternehmen und Gründern auf rund 1.600 Quadratmetern knapp 120 Arbeitsplätze bietet. Doch auch außerhalb der Finanzmetropole entstehen spannende Initiativen, u.a. in Aschaffenburg, wo das digitale Gründerzentrum „Alte Schlosserei“ junge Talente mit innovativen Digitalisierungsideen fördert: Sie werden sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung begleitet und durch ein breites Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft unterstützt. Ein Projekt, das ich Ihnen in den nächsten Wochen noch ausführlicher vorstellen werde.

 

Bildquelle: Shutterstock

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