4 kritische Erfolgsfaktoren für die Blockchain

4 kritische Erfolgsfaktoren für die Blockchain

Die Blockchain hat das Potenzial sich zu etablieren – vorausgesetzt, sie nimmt diese vier Hürden: Ressourcenverbrauch, Transaktionszahlen, Sicherheit und Investitionsschutz.

Wer Blockchain sagt, denkt häufig an Kryptowährungen. Hierbei handelt es sich aber nur um eines der Einsatzfelder. Erheblich interessanter ist ihre Innovationskraft für den Businessbereich:

  • Sie wird evolutionär in die Unternehmen Einzug halten. Grundsätzliche Eigenschaften, wie ein hohes Maß an Unveränderbarkeit und damit Nachvollziehbarkeit von getätigten Transaktionen sind Merkmale, die die Blockchain für den unternehmensinternen Einsatz interessant machen. Beispielsweise statten wir selbst das neueste Release der PASS Archivierungslösung mit Blockchain-Technologie aus, um die Revisionssicherheit zusätzlich zu unterstützen.
  • Die Blockchain besitzt ein disruptives Potenzial, und zwar dann, wenn innerhalb eines Ökosystems Intermediäre ersetzt werden, wie es bspw. die Plattform Ripple (die unter anderem von Google Ventures mit Kapital ausgestattet wurde) vorsieht.

Kritische Erfolgsfaktoren

Für die weitere Verbreitung der Blockchain sehe ich vier entscheidende kritische Erfolgsfaktoren, die nachfolgend ausführlicher betrachtet werden.

1. Niedriger Ressourcenverbrauch

Die Blockchain hat einen zu großen Ressourcenverbrauch. Dadurch steigen die Transaktionskosten und die Technologie wird unwirtschaftlich. Ein Umstand, der auch aus ökologischer Sicht kritikwürdig ist.

Dies ist teilweise richtig. Der hohe Ressourcenverbrauch ist vor allem bei Plattformen ein Problem, die auf dem sogenannten Proof-of-Work-Verfahren basieren. Der Knackpunkt: Je mehr Rechenkapazitäten zur Verfügung stehen, desto größer ist die Chance, den nächsten Block hinzufügen zu können, und hierfür mittelbar oder unmittelbar monetär belohnt zu werden. Man geht hier von der Prämisse aus, dass sich Rechenleistung nicht monopolisieren lässt, was sich aber nur teilweise bestätigt hat. So gibt es einen dedizierten Hardware-Markt, der speziell auf das „Schürfen“ neuer Blöcke ausgerichtet ist.

Ein solches Proof-of-Work-Verfahren hat zudem nur dann inhaltliche Berechtigung, wenn sich unbekannte Marktteilnehmer gegenüberstehen, die sich darüber hinaus nicht vertrauen. Dieses Szenario ist für die Mehrzahl an Businesstransaktionen nicht als gegeben anzunehmen, in diesem Kontext ist generell ein Trend hin zu schlankeren Konsensverfahren zu beobachten. So tauscht die Plattform Ethereum das rechenintensive Proof-of-Work-Verfahren aktuell sukzessive durch das rechenärmere Proof-of-Stake-Verfahren aus. In Szenarien, in denen sich die Marktteilnehmer vertrauen, kann auf solche komplexen Verfahren sogar grundsätzlich verzichtet werden – hier können bspw. Round-Robin-Ansätze zum Einsatz kommen.

2. Hohe Transaktionszahlen

Die Blockchain-Technologie erreicht viel zu geringe Transaktionszahlen und ist damit für das Massengeschäft ungeeignet.

Diese These ist für die Bitcoin-Plattform richtig, nicht jedoch im gleichen Maße für andere Verfahren, die deutlich schnellere Blockgenerierungszeiten (ein Block stellt einen Container für Transaktionen dar) aufweisen. Die Blockerzeugungsquote von Ethereum ist z.B. 40 mal höher als die von Bitcoin, Verfahren wie Multichain streben eine Transaktionsrate an, wie sie heute von etablierten Intermediären wie Visa oder PayPal geleistet wird. Darüber hinaus wird bei der noch jungen Technologie fortwährend in die Optimierung investiert – ein Ansatz ist, dass nicht mehr das gesamte Netzwerk die Validität einer Transaktion verifizieren muss, was allerdings die Vorteile der Blockchain (z.B. Unveränderlichkeit der Transaktionshistorie) teilweise reduziert.

3. Hohe Sicherheit

Die Sicherheit der Blockchain-Technologie ist noch nicht hinreichend verifiziert, die Risikopotenziale und deren Auswirkungen noch nicht ausreichend betrachtet.

In der Tat gibt es Risiken, die vor dem Einsatz einer Blockchain-Plattform bekannt sein sollten. Die Sicherheit einer Blockchain steht und fällt mit der Sicherheit der eingesetzten Kryptographietechnik. Hier entsteht ein Risiko durch den technologischen Fortschritt, der sich unter anderem durch das Mooresche Gesetz oder das mögliche Potenzial von Quantencomputern ausdrückt. Früher als sicher geltende Hashverfahren wie SHA-1 sind mittlerweile kompromittiert. Hier empfiehlt es sich, möglichst marktführende Verfahren wie SHA-3 zu nutzen.

Ein anderes Sicherheitsrisiko ist, wenn sich aufgrund überragender Rechenleistung die Zahl der blockerzeugenden Instanzen (Miner) monopolisiert. Eine Quote von 51 Prozent reicht dabei rechnerisch aus, um ein Blockchain-Ökosystem vollständig zu dominieren. Auch mit weniger als 51 Prozent Marktanteil ist es nicht ausgeschlossen, eine beherrschende Stellung einzunehmen und damit die Stabilität der Blockchain-Plattform zu gefährden. Dass dies kein weltfremdes Szenario ist, sieht man bspw. daran, dass drei Mining-Organisationen bei der Schürfung neuer Bitcoinblöcke aktuell einen Marktanteil von über 50 Prozent aufweisen.

4. Investitionsschutz

Es droht ein Produkt Lock-in: Bei weit über 1000 Kryptowährungen ist eine Konsolidierung zwingend zu erwarten. Dies gefährdet potenziell bereits getätigte Investitionen.

Auch dieses Risiko ist valide – deshalb lautet hier die Empfehlung, eine Plattform zu wählen, die von einer breiten Community an Entwicklern aus unterschiedlichen Unternehmen getragen wird. Allerdings sei einschränkend erwähnt, dass dieses Risiko nicht generell auf die Blockchain als solche übertragen werden kann.

Die Zeit ist reif

Die Relevanz der oben genannten kritischen Erfolgsfaktoren ist abhängig vom Einsatzszenario. Die Herausforderung eines hohen Ressourcenverbrauchs stellt sich in unternehmensinternen und Extranet-Szenarien deutlich weniger kritisch dar als in offenen Netzen, da hier kein rechenintensives Proof-of-Work-Verfahren benötigt wird. Bei der Wahl der Blockchain-Plattform empfiehlt es sich, auf eine Lösung zu setzen, die von zahlreichen Entwicklern aus unterschiedlichen Organisationen mitgetragen wird: Eine breite Wissensverteilung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen. Aufgrund der zeitlich geringen Einsatzdauer der einzelnen Plattformen sowie von Fehlern, die in der Vergangenheit aufgetreten sind (z.B. fehleranfällige Smart Contracts bei Ethereum), ist es zudem sinnvoll, mit einem Bottom-Up-Ansatz zu starten, und zu Beginn noch keinen unternehmenskritischen Prozess in den Fokus zu stellen. Mit Blick auf die stark zunehmende Zahl an Praxiserfahrungen wird die Stabilität und Relevanz weiter wachsen und damit werden Unternehmen im Vorteil sein, die dann bereits auf eigene Erfahrungen zurückblicken können.

 

Bildquelle: Shutterstock

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