Berlin! Berlin! Warum fahren alle Start-ups nach Berlin?

Berlin! Berlin! Warum fahren alle Start-ups nach Berlin?

Als europäische Finanzmetropole hat Frankfurt eine starke wirtschaftliche Stellung – und auch als Gründerregion wird das Rhein-Main-Gebiet immer attraktiver.

Wer sich mit Start-ups beschäftigt oder mit der Überlegung selbst zu gründen, kommt um Berlin nicht herum. Derzeit gilt die Stadt als DIE Gründermetropole in Deutschland. Doch welche Chance haben Start-ups jenseits der gehypten City? Sinken die Erfolgschancen oder entstehen Vorteile, da man nicht in der Masse untergeht? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen.

Der Charme von Berlin für Gründer

Im Deutschen Startup Monitor 2017 ging Berlin als klarer Sieger als Hauptsitz für Start-ups hervor. Identifiziert wurde in der Untersuchung aber auch, dass die Gründer-Hotspots außerhalb Berlins (Region Rhein-Ruhr, Stuttgart/Karlsruhe, München, Hamburg) immer aktiver werden.

Die Beratungsgesellschaft PwC hat Mitte 2017 die Vorteile von Berlin als Gründerstadt zusammengetragen: Der Fachkräftemangel scheint hier weniger starke Auswirkungen zu haben. Zumindest wird die Mitarbeiterrekrutierung als weniger problematisch eingeschätzt als in den meisten anderen deutschen Regionen. 96 Prozent aller Gründer empfinden die Voraussetzungen Berlins als gut beziehungsweise sehr gut. Unter anderem aufgrund der gewachsenen Strukturen. Viele erfolgreiche Gründer sind mittlerweile selbst als Business Angels im Ökosystem aktiv. Startkapital steht somit schneller und einfacher zur Verfügung. Nicht umsonst ist Berlin in der Zwischenzeit auch Investitionshauptstadt:

Investitionshauptstadt Berlin
Investitionshauptstadt Berlin (Quelle: Statista)

Frankfurt als FinTech-Magnet?

Aber auch jenseits des coolen und hippen Berlins bemühen sich Regionen um den Ausbau der Gründerszene – mit Erfolg. So z.B. das Rhein-Main-Gebiet und hier besonders die Standorte Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Aschaffenburg, Mannheim, Heidelberg, Fulda und Gießen. Frankfurt bildet dabei den funktionalen und geografischen Mittelpunkt.

Besonders attraktiv ist die Finanzmetropole am Main für FinTechs: Frankfurt bietet den jungen Finanztechnologie-Unternehmen attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Nähe zu etablierten Playern. Auch von Banken und Beratungshäusern wird die Szene gefördert und unterstützt. Seit Ende 2016 existiert das Start-up-Zentrum TechQuartier im Frankfurter Bankenviertel, das jungen Unternehmen und Gründern auf rund 1.600 Quadratmetern knapp 120 Arbeitsplätze bietet.

Daneben gibt es noch weitere Initiativen für Start-ups in Frankfurt:

  • Der Start-up-Brutkasten Unibator der Goethe-Universität: Hier werden Studierende, Mitarbeiter und Alumni aller Fachbereiche bei der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und daraus entstehender Geschäftsideen zu marktreifen Produkten und Dienstleistungen unterstützt. Auch hier existiert ein Fokus auf den FinTech-Bereich.
  • Die Eventreihe Between the Towers der Commerzbank: Einmal im Monat treffen sich Start-ups, Wirtschaft, Wissenschaft und Start-up-Financiers, um sich fachlich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen.
  • Das Fintech Meetup: Ein familiäres Meetup der regionalen FinTech-Szene mit relevanten Expertenvorträgen, interaktiven Diskussionsrunden und spannenden Start-up-Pitches.

Berlin und Frankfurt im Vergleich

Auf den ersten Blick sind die Voraussetzungen für Start-ups in Frankfurt nicht so gut wie in Berlin: Die Personal- und Mietkosten sind höher, der Pool an kreativen Mitarbeitern kleiner. Kommen wir an dieser Stelle nochmals auf die bereits oben erwähnte Studie der Beratungsgesellschaft PwC zurück. Wie zufrieden sind deutsche Start-ups mit ihrem Standort? Dazu wurden sowohl Start-ups in Berlin als auch in Frankfurt befragt  und die Ergebnisse standortbezogen ausgewertet.

Blicken wir zunächst auf die Gemeinsamkeiten: Es besteht jeweils eine hohe Zufriedenheit mit dem Gründerklima vor Ort sowie mit der digitalen Infrastruktur. Auch beim Thema Mitarbeitersuche ist man sich überraschenderweise einig – übereinstimmende 58 Prozent schätzen diese als eher bzw. sehr schwierig ein. Leichte Unterschiede zeigen sich dagegen bei den Themen Finanzierung und Kooperationen sowie in der Wachstumsprognose:

Frankfurt Berlin
Finanzierung in % Eigenfinanzierung: 86
Bank: 68
Öffentliche Fördermittel: 26
Venture Capital: 14
Crowdfunding: 6
Business Angels: 4
Eigenfinanzierung: 79
Bank: 62
Öffentliche Fördermittel: 21
Business Angels: 20
Venture Capital: 12
Crowdfunding: 7
Kooperationen in % 60 Prozent der befragte Start-ups haben Kooperationspartner:
Etablierte Unternehmen: 42
Beratungsunternehmen: 16
Wissenschaft: 12
Accelerator-Programme: 10
Andere Start-ups: 16
Inkubatoren: 4
Strategische Investoren: –
Öffentliche Hand: –
75 Prozent der befragte Start-ups haben Kooperationspartner:
Etablierte Unternehmen: 54
Andere Start-ups: 22
Strategische Investoren: 17
Wissenschaft: 16
Beratungsunternehmen: 12
Inkubatoren: 12
Öffentliche Hand: 4
Accelerator-Programme: 3
Wachstumsprognose Zwei Drittel erwarteten für 2017 ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 7 %. Zwei Drittel erwarteten für 2017 ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 12 %.
​Siehe da, die Unterschiede sind insgesamt gar nicht so groß wie erwartet: Demnach lobt jedes zweite Frankfurter Start-up den Zugang zu finanziellen Mitteln, lediglich die Finanzierung über Business Angels fällt im Vergleich zu Berlin noch deutlich ab. Die Mitarbeitersuche gestaltet sich in der Mainmetropole hingegen genauso schwierig oder einfach wie in der Hauptstadt. Aufholbedarf besteht beim Thema Kooperationen. Hier hat Berlin die Nase noch deutlich vorn.

Es bewegt sich was!

Neben Frankfurt wird die Start-up-Szene im Rhein-Main-Gebiet auch in anderen Städten immer stärker gefördert:

  • Der Heimathafen in Wiesbaden ist nicht nur ein Coworking Space, sondern veranstaltet regelmäßig Gründerevents. Gründer berichten in Abendveranstaltungen über ihren persönlichen Werdegang und einmal monatlich wird ein Gründerfrühstück veranstaltet. Dadurch lernt sich die Szene kennen, vernetzt sich und lernt voneinander.
  • Auch in Mainz haben sich Unternehmen zusammengeschlossen und das StartUp Netzwerk Mainz e.V. gegründet. Unterstützt werden insbesondere Existenzgründungen in Rheinhessen, die mit ihren Geschäftsideen in Bereichen wie E-Commerce, Social Media, mobile Technologien, IT, Online B2B- und B2C-Dienstleistungen, digitale Medien, Telekommunikation und Gaming durchstarten wollen.
  • Ende September 2017 wurde im Rhein-Main-Gebiet auch zum ersten Mal die Startup-Safari ausgetragen. Start-ups hatten die Möglichkeit, zu pitchen, Coworking-Spaces wurden geöffnet und etablierte Player konnten ihre Inkubatoren-Modelle präsentieren. Besucher erlangten somit einen umfassenden Einblick in das gesamte Start-up-Ökosystem.
  • In Aschaffenburg entsteht aktuell das di­gi­ta­le Grün­der­zen­trum „Star­t­hou­se im Spessart“ (vorläufiger Arbeitstitel), das Po­li­tik und Wirtschaft ge­mein­sam für das Main-Vier­eck aufs Gleis ge­setzt ha­ben.

All in all

Auch wenn Berlin als Gründungshauptstadt den einen oder anderen Vorteil mit sich bringt, ist dies kein Garant für Erfolg. Auch andere Regionen – allen voran das Rhein-Main-Gebiet – rüsten auf und verstärken ihr Start-up-Engagement systematisch. Nicht ohne Grund glaubt das Gros der Frankfurter Gründer, dass die Stadt als Start-up-Hub weiter an Relevanz gewinnen wird. Start-ups treffen auch außerhalb der gehypten Hauptstadt auf attraktive Infrastrukturen und haben Chancen auf Erfolg. Vor allem dann, wenn das Geschäftsmodell zur Region und zum Gründer passt.

 

Bildquelle: Shutterstock

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.